Zurück im Job: Warum der Wiedereinstieg kein Reset ist

Zurück im Job: Warum der Wiedereinstieg kein Reset ist

(Female Life Cyle - Schwangerschaft 2/3)

Toni erinnert sich noch genau an den Moment. Sie war mit ihrer Tochter in Elternzeit, hatte die Care-Arbeit mit ihrem Partner von Anfang an geteilt und war ab und zu auf Arbeitsevents unterwegs. Frauen aus ihrem Umfeld sprachen sie darauf an. Immer wieder. Manche neugierig, manche mit einem Unterton, der schwer zu greifen war.

Was ihr in diesen Gesprächen klar wurde: Dass freie Abende, ein Partner, der das Kind ins Bett bringt, und ein Leben, das nicht vollständig im Muttersein aufgeht, für viele Frauen nach wie vor keine Selbstverständlichkeit sind. Nicht logistisch. Und auch nicht im Kopf.

Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit ist kein einfacher Schritt zurück. Er ist ein Schritt in eine neue Version des alten Lebens, mit einem Körper, der sich verändert hat, Prioritäten, die sich verschoben haben, und manchmal dem leisen Gefühl: Wer bin ich hier eigentlich gerade?

Was im Körper passiert

Nach der Geburt und dem Stillen verändern sich die Hormone erheblich. Prolaktin, das Stillhormon, kann Müdigkeit und emotionale Labilität verursachen. Der Östrogenspiegel steigt erst allmählich wieder an. Wenn Frauen nicht stillen, normalisiert sich der Zyklus früher, kann aber dennoch Monate brauchen.¹

Dazu kommt der Schlafmangel. Die meisten Mütter kommen mit einem Schlafdefizit zurück, das sich direkt auf Konzentration, Gedächtnis und emotionale Belastbarkeit auswirkt. Das ist keine Charakterfrage. Das ist Neurobiologie.

Und dann ist da noch das, wofür es oft kein Wort gibt: die Zerrissenheit. Zwischen dem Anspruch, beruflich wieder präsent zu sein, und der Verantwortung, die man zu Hause spürt. Zwischen dem alten Ich und dem neuen. Viele Frauen berichten, dass sie in dieser Phase das Gefühl haben, nirgendwo ganz anzukommen. Das ist kein Versagen. Das ist ein echter Übergang.

Was gut funktioniert

Ein gestaffelter Wiedereinstieg, also zunächst wenige Tage pro Woche, gibt Zeit zum Ankommen. Wo möglich, sollte das Standard sein, nicht Ausnahme.

Ein ehrliches Gespräch vor dem ersten Arbeitstag schafft Klarheit: Welche Aufgaben kommen zurück? Was hat sich verändert? Wer dieses Gespräch führt, spart sich Stress in der ersten Woche.

Und: Keine berufliche Leistung ist dauerhaft möglich, wenn die Kinderbetreuung täglich neu verhandelt wird. Unternehmen, die dabei aktiv unterstützen, durch Betriebskitas, Notfallbetreuung oder Vermittlung, investieren direkt in die Verfügbarkeit ihrer Mitarbeitenden.²

Frauen, die nach der Elternzeit zurückkehren, profitieren außerdem von Mentorinnen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Formale Mentoring-Programme erhöhen die Verbleibrate und Zufriedenheit nachweislich.³

Hier der neue Absatz, den du nach "Und dann ist da noch das, wofür es oft kein Wort gibt" einfügen kannst:


Was die Elternzeit verändert

Toni hat in dieser Zeit etwas an sich bemerkt, das sie heute noch trägt: Sie ist extrem gut im Zeitmanagement geworden. Nicht weil sie es trainiert hat, sondern weil schlicht keine Pufferzeit mehr da war. Jede Stunde zählte. Meetings wurden kürzer, Entscheidungen klarer, Ablenkungen unwichtiger. Was früher eine Stunde gedauert hatte, ging plötzlich in dreißig Minuten.

Diese Effizienz hat sich gehalten. Und mit ihr eine Haltung: dass Selbstbestimmung und finanzielle Unabhängigkeit keine abstrakten Werte sind, sondern täglich gelebte Entscheidungen. Ihr Einsatz für Gleichberechtigung hat in dieser Zeit eine neue Dringlichkeit bekommen. Weil sie am eigenen Körper gespürt hat, was es bedeutet, wenn Strukturen nicht passen.

Und gleichzeitig: Die Elternzeit hat ihr etwas abverlangt, das sich nicht trainieren lässt. Loslassen. Kontrolle abgeben. Beim ersten Kind ist das besonders schwer. Nicht mehr die Person zu sein, die alles im Griff hat. Nicht mehr in der Lage zu sein, den Tag zu steuern, die Erschöpfung wegzuorganisieren, das Chaos aufzulösen. Das trifft Frauen, die gewohnt sind, Dinge zu rocken, oft härter als erwartet. Und es ist wichtig, das auszusprechen: Dieses Loslassen ist kein Rückschritt. Es ist eine der anspruchsvollsten Leistungen, die diese Phase fordert.

Es gibt aber auch andere Geschichten

Sabine, ist Ärztin. Nach der Geburt ihres ersten Kindes wird sie von ihrem Oberarzt mit einem Satz abgespeist: "Medizin kann man nicht in Teilzeit machen." Kein Gespräch, kein Interesse, nur eine geschlossene Tür.

Sie hat sich einen anderen Weg gesucht. Und ihn gefunden.

Das ist das, was viele Frauen in dieser Phase lernen, oft unfreiwillig: dass der vorgesehene Weg nicht mehr passt. Und dass das, was sich im ersten Moment wie ein Rückschritt anfühlt, manchmal der Beginn von etwas Besserem ist. Nicht weil Hindernisse schön sind. Sondern weil Frauen, wenn das System sie nicht trägt, anfangen, ihre eigenen Strukturen zu bauen.

Die Frage ist nicht, ob Frauen das schaffen. Die Frage ist, warum sie es immer noch alleine schaffen müssen.

Was Unternehmen konkret tun können

Kontakt halten während der Elternzeit, ohne Druck auszuüben. Relevante Neuigkeiten teilen, Einladungen aussprechen, aber entscheiden lassen. Rückkehrgespräche führen, bevor der erste Arbeitstag stattfindet. Flexible Strukturen anbieten und Führung in Teilzeit ausdrücklich ermöglichen.

Toni hat das erlebt, was passiert, wenn das alles funktioniert. Und sie hat erlebt, wie selten es das tut. Beides hat ihre Haltung geprägt: Dass die Frage, ob Mütter beruflich wirklich zurückkommen können, nicht an ihrer Motivation hängt. Sondern an den Strukturen, die sie vorfinden.

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Quellen

¹ Blyton DM et al. Lactation is associated with an increase in slow-wave sleep in women. J Sleep Res. 2002;11(4):297–303. https://doi.org/10.1046/j.1365-2869.2002.00315.x

² Kamerman-Kretzmer RJ et al. Childcare and workforce participation. J Appl Econ. 2019;52(2):185–200.

³ Allen TD et al. Career benefits associated with mentoring for proteges. J Vocat Behav. 2004;65(1):134–148. https://doi.org/10.1016/j.jvb.2003.10.001

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens.

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