Stark während der Schwangerschaft

Stark während der Schwangerschaft

(Female Life Cyle - Schwangerschaft 3/3)
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Victoria Ledig


Manchmal ist es ein Moment im Aufzug, in dem einem plötzlich schlecht wird. Oder die Erschöpfung um 10 Uhr morgens, die sich anfühlt wie Mitternacht. Oder das Gefühl, in einem Körper zu arbeiten, den man gerade nicht kennt, weil er sich jeden Tag ein bisschen mehr verändert.

Schwanger sein und gleichzeitig funktionieren, präsent sein, Leistung zeigen: Das ist für viele Frauen die erste große Übung darin, zwei Welten gleichzeitig zu tragen. Die Welt, die alle sehen. Und die, die sich innen abspielt.

Viele Frauen beschreiben diese Phase als eine Art stilles Doppelleben. Nach außen wie immer, nach innen: Übelkeit, Erschöpfung, Zweifel, manchmal Angst. Und oft die Frage: Soll ich es sagen? Wann? Wie wird es aufgenommen?

Das ist keine Kleinigkeit. Und es verdient mehr als ein Schulterzucken.

Die häufigsten körperlichen Herausforderungen

Übelkeit und Erbrechen betreffen bis zu 80 Prozent aller Schwangeren, häufig besonders in den ersten Monaten.² Sie machen Meetings, Bahnfahrten und normale Arbeitsroutinen zur Herausforderung. Kleine, häufige Mahlzeiten, ausreichend Wasser und frische Luft helfen. In schweren Fällen ist ärztliche Behandlung notwendig.

Erschöpfung im ersten Trimester ist hormonell bedingt und real. Das Progesteron steigt stark an und wirkt sedierend. Kurze Pausen, reduzierte Intensität und ein verständnisvolles Umfeld machen einen großen Unterschied.

Rückenschmerzen entstehen durch die veränderte Körperhaltung und die Lockerung der Bänder durch das Hormon Relaxin. Ergonomische Arbeitsmittel, gezieltes Training für Rücken und Beckenboden und gelegentliches Stehen statt Sitzen können Beschwerden deutlich reduzieren.³

Was sich innen verändert

Neben dem Körperlichen gibt es das, worüber seltener gesprochen wird: die emotionale Seite. Viele Frauen erleben in der Schwangerschaft zum ersten Mal ein tiefes Gefühl von Kontrollverlust. Der Körper macht, was er will. Die Energie kommt und geht ohne Ankündigung. Pläne, die gestern noch standen, passen heute nicht mehr.

Dazu kommen Fragen, die sich leise in den Alltag schleichen. Wie wird das mit dem Job? Was denken die Kolleginnen? Werde ich als weniger ehrgeizig wahrgenommen? Bin ich noch ich, wenn sich gerade so vieles verschiebt?

Schwangerschaftsdepression und pränatale Angststörungen sind häufiger als allgemein angenommen. Etwa 10 bis 15 Prozent aller Schwangeren entwickeln klinisch relevante depressive Symptome.⁴ Stigma und fehlende Aufklärung verhindern, dass viele Frauen Unterstützung suchen. Offene Gespräche in der Frauenarztpraxis, mit Hebammen und bei Bedarf psychologische Begleitung sind keine Übertreibung. Sie schützen Mutter und Kind.

Was Arbeitgebende tun können

Schwangerschaft ist kein Sonderfall. In Deutschland kommen jährlich über 700.000 Kinder zur Welt.¹ Die meisten dieser Frauen arbeiten bis kurz vor der Geburt. Wer als Unternehmen diese Phase gut begleitet, gewinnt Vertrauen, das bleibt.

Rechtlicher Rahmen: Das Mutterschutzgesetz regelt Beschäftigungsverbote und Schutzrechte. Arbeitgebende sind verpflichtet, Risikobeurteilungen durchzuführen und gefährdende Tätigkeiten zu vermeiden. Das Gesetz ist Mindeststandard, kein Zielbild.

Flexible Lösungen: Homeoffice, angepasste Arbeitszeiten in der Übelkeitsphase, Pausenräume mit Liegemöglichkeit und unkomplizierte Urlaubstage entlasten erheblich.

Offene Kultur: Wenn Frauen Angst haben, eine Schwangerschaft frühzeitig anzusprechen, weil sie Nachteile befürchten, verlieren Unternehmen die Möglichkeit, frühzeitig zu unterstützen. Vertrauen spart Fehlzeiten. Und es zeigt, wofür ein Unternehmen wirklich steht.

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Quellen

[1] Statistisches Bundesamt. Geburten in Deutschland. Destatis 2023. https://www.destatis.de

[2] Niebyl JR. Nausea and vomiting in pregnancy. N Engl J Med. 2010;363(16):1544–1550. https://doi.org/10.1056/NEJMcp1003896

[3] Liddle SD et al. The evidence for physical therapy in pregnancy-related low back pain. J Orthop Sports Phys Ther. 2004;34(6):306. https://doi.org/10.2519/jospt.2004.34.6.306

[4] Gavin NI et al. Perinatal depression: a systematic review of prevalence and incidence. Obstet Gynecol. 2005;106(5 Pt 1):1071–1083. https://doi.org/10.1097/01.AOG.0000183597.31630.db

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens.

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