Wie Hormone unseren Alltag beeinflussen – Stategien für mehr Energie und Wohlbefinden im Berufsalltag

Wie Hormone unseren Alltag beeinflussen – Stategien für mehr Energie und Wohlbefinden im Berufsalltag

In den DAX-Vorständen sitzen mehr Männer mit dem Vornamen Christian oder Stefan als Frauen insgesamt. Deutschland liegt damit im unteren Drittel aller EU-Länder.¹ Das ist keine Randnotiz zu Gleichstellungsdebatten. Das ist der Kontext, in dem Frauengesundheit am Arbeitsplatz stattfindet.

Und der Kontext erklärt viel.


conmadres baut Mütternetzwerke in Unternehmen auf, damit Frauen nach der Geburt nicht unsichtbar werden. Denn 78 % der Mütter wollen Karriere machen, fast 40 % erleben stattdessen Diskriminierung. Ein Netzwerk, das Mütter mit ihren Fähigkeiten sichtbar macht und Unternehmen zeigt, wie echte Vereinbarkeit aussieht.


52 % der Weltbevölkerung fehlen in den Daten

Bis 1993 war es in den USA nicht verpflichtend, Frauen in klinische Studien einzubeziehen.² Jahrzehntelang basierten Dosierungsempfehlungen, Diagnosekriterien und Behandlungsprotokolle auf Daten, die hauptsächlich von Männern stammten. Crash-Test-Dummys hatten jahrzehntelang die Körperform eines durchschnittlichen Mannes. Nicht die einer Frau.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wurde in der Medizin systematisch unterrepräsentiert. Wenn wir nur den männlichen Körper als Norm definieren, kann das tödliche Folgen für Frauen haben: Herzinfarkte werden bei Frauen häufiger übersehen, weil ihre Symptome vom männlichen Lehrbuchbild abweichen. Chronische Schmerzerkrankungen werden öfter als psychosomatisch abgestempelt. Autoimmunerkrankungen, die Frauen deutlich häufiger betreffen, werden im Schnitt Jahre zu spät diagnostiziert.³

Dieser Zustand hat einen Namen: Gender Health Data Gap.


Hormone verändern sich nicht nur in den Wechseljahren

Wenn von Hormonen und Gesundheit die Rede ist, denken viele sofort an Hitzewallungen und Menopause. Aber der weibliche Körper durchläuft mehrere hormonelle Phasen, die alle den Alltag beeinflussen können.

PMS kennen die meisten als Wort. Was weniger bekannt ist: In seiner schwersten Form, PMDS, reagiert das Gehirn überempfindlich auf den normalen Hormonabfall im Zyklus. Der Serotoninspiegel bricht ein. Betroffene erleben starke Depressionen, unkontrollierbare Wutausbrüche, schwere Angststörungen, Konzentrationsprobleme, extreme Erschöpfung und in schweren Fällen Suizidgedanken. Viele werden jahrelang wegen Depression behandelt, ohne dass der Zyklus als Ursache erkannt wird.⁴

Schwangere oder Stillende kennen Brainfog (Stilldemenz), Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, das Gefühl, im Nebel zu denken – das sind hormonell bedingte Veränderungen, die nach der Geburt auftreten und die Rückkehr in den Job massiv erschweren können. Genau dieses Symptom tritt auch in der Hormonumstellung in den Wechseljahren auf. Es ist das häufigste Symptom neben Schlafmagel, es hat wirklich fast jede Frau. Trotzdem wird das Phänomen selten medizinisch ernst genommen oder offen kommuniziert.

Endometriose betrifft in Deutschland rund 10 % aller Frauen. Gebärmutterschleimhaut wächst dabei nicht nur in der Gebärmutter, sondern außerhalb: an Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase, teils an Leber oder Zwerchfell. Die durchschnittliche Diagnosedauer liegt bei sieben bis zehn Jahren.⁵


Über 34+ Symptome in den Wechseljahren, die du vielleicht noch nicht mit Hormonen verbunden hast

Für die Perimenopause gilt die 1/3-Regel: Ein Drittel aller Frauen hat kaum Beschwerden, ein Drittel spürt moderate Veränderungen, ein Drittel leidet stark. Die Symptompalette ist dabei weit größer, als die meisten ahnen. Denn keine Symptome gibt es nicht. Die Gebärmutter wird kleiner, die Schneidenmembran dünner, man wird trockner unten rum, aber wusstest du das nicht nur diese Schleichhaute austrocknen, sondern auch die deiner Augen oder gar in deinem Mund. Von den Burning-Mouth Symdrom hast du vielleicht noch nicht gehört. Und das Kieferprobleme auch mit den Wechsel zu tun haben - eigentlich nicht verwunderlich wenn Osteoporosis eine typische Folgeerkrankung ist.⁶
Und trotzdem dauert es im Schnitt drei Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird.


Was das am Arbeitsplatz bedeutet

Deutschland verliert durch Wechseljahresbeschwerden rund 40 Millionen Arbeitstage im Jahr. Die volkswirtschaftlichen Kosten liegen bei 9,4 Milliarden Euro.⁷

Die ersten fünf Beschwerden, die Frauen laut der MenoSupport-Studie am stärksten im Job beeinträchtigen:

  1. Körperliche und geistige Erschöpfung (78,1 %)
  2. Schlafstörungen (65,8 %)
  3. Reizbarkeit (53,6 %)
  4. Depressive Verstimmungen (46,3 %)
  5. Hitzewallungen und Schwitzen (44,8 %)⁸

Jede siebte Frau kündigt oder reduziert ihre Stelle, weil die Beschwerden zu stark werden.⁸ Das ist kein persönliches Scheitern. Das ist ein strukturelles Problem, das Unternehmen direkt betrifft.

Beschwerden werden am Arbeitsplatz vor allem dann zum echten Problem, wenn Wissen und Handlungsspielraum fehlen. Wenn Frauen nicht wissen, was mit ihnen passiert, können sie nicht handeln. Wenn sie es wissen, aber keine Strukturen da sind, die ihnen erlauben zu handeln, auch nicht.


Was Unternehmen konkret tun können

Frauengesundheit gehört in die betriebliche Gesundheitsförderung. Das heißt: Informationen bereitstellen, flexible Arbeitsstrukturen schaffen und das Thema zur Führungsaufgabe machen. Frauen fühlen sich mit ihren Beschwerden oft allein gelassen und trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Unternehmen, die das Schweigen aktiv durchbrechen, investieren in Loyalität und Produktivität.

Je individueller das Angebot, desto wirksamer. Heimarbeit, angepasste Arbeitszeiten, Zugang zu medizinischer Unterstützung: Das sind keine Sonderleistungen. Das ist kluge Personalpolitik.


Was du selbst tun kannst

Informieren kommt zuerst. Den eigenen Körper und seine hormonellen Veränderungen zu verstehen ist der erste Schritt, um früher handeln und klarer kommunizieren zu können.

Professionelle Unterstützung holen: Hormontherapien, Verhaltenstherapie, vaginale Lasertherapie, Ernährungsanpassungen. Was wirkt, ist individuell.

Stress aktiv regulieren, Schlaf priorisieren, Kraft- und Ausdauertraining in den Alltag einbauen, Mineralstoffe prüfen, das eigene Energielevel beobachten und Aufgaben entsprechend strukturieren.

Offen darüber sprechen: im Freundeskreis, im Job, beim Arztgespräch. Wer die eigenen Beschwerden benennt, macht es der nächsten Frau einfacher, das auch zu tun.

Die Wechseljahre und hormonelle Übergänge sind eine herausfordernde Zeit. Aber sie sind auch der Moment, in dem viele Frauen anfangen, ihre Gesundheit wirklich in die eigene Hand zu nehmen.


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Quellen

¹ AllBright-Bericht. Frauen in DAX-Vorständen. Berlin, 2023. https://www.allbrightreport.de

² Liu KA, Mager NA. Women's involvement in clinical trials: historical perspective and future implications. Pharm Med. 2016;30(3):155–162. https://doi.org/10.1007/s40290-016-0141-6

³ Fillingim RB et al. Sex, gender, and pain: a review of recent clinical and experimental findings. J Pain. 2009;10(5):447–485. https://doi.org/10.1016/j.jpain.2008.12.001

⁴ Hantsoo L, Epperson CN. Allopregnanolone in premenstrual dysphoric disorder (PMDD). Neurobiol Stress. 2020;12:100213. https://doi.org/10.1016/j.ynstr.2020.100213

⁵ Hudelist G et al. Diagnostic delay for endometriosis in Austria and Germany. Hum Reprod. 2012;27(12):3412–3416. https://doi.org/10.1093/humrep/des316

⁶ Avis NE et al. Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition. JAMA Intern Med. 2015;175(4):531–539. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2014.8063

⁷ Hochschule für Wirtschaft & Recht Berlin. Pressemitteilung 46/2024: Volkswirtschaftliche Kosten der Wechseljahresbeschwerden.

⁸ Rummler A, Memmert J. Forschungsprojekt MenoSupport: Ergebnisse der ersten deutschlandweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz. 2023.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens.

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