Stillen und Arbeiten: beides geht

Stillen und Arbeiten: beides geht


(Female Life Cyle - Schwangerschaft 3/3)
Künstlerin des Coverbildes:
Victoria Ledig

Du schläfst seit Wochen nicht durch. Dein Körper ist noch mitten in der Umstellung nach der Geburt. Die Hormone regulieren sich neu, die Milch kommt, das Kind braucht dich, und der erste Arbeitstag rückt näher.

Viele Mütter erleben diesen Moment als ein stilles Funktionieren: Durchhalten, nicht klagen, organisieren. Dabei ist genau das der falsche Rahmen. Nicht weil Mütter nicht stark sind. Sondern weil Erschöpfung und hormoneller Umbruch keine persönlichen Schwächen sind. Sie sind Biologie.

Was im Körper gerade passiert

Nach der Geburt fällt der Östrogenspiegel abrupt ab. Das Stresshormon Cortisol bleibt erhöht. Prolaktin, das die Milchproduktion steuert, beeinflusst gleichzeitig den Schlaf. Nächtliches Aufwachen ist kein Eingewöhnungsproblem. Es ist ein hormonell gesteuerter Mechanismus, der Mutter und Kind synchronisiert.

Schlafmangel in dieser Phase ist real und hat messbare Auswirkungen auf Konzentration, Stimmung und Stresstoleranz. Das zu benennen ist keine Dramatisierung. Es ist der erste Schritt, um sich die Unterstützung zu holen, die man braucht.

Deine rechtliche Grundlage

Viele Mütter beenden das Stillen früher als sie wollten, weil die Bedingungen am Arbeitsplatz es zu schwer machen oder weil sie ihre Rechte nicht kennen. Das Mutterschutzgesetz schreibt vor, dass stillenden Müttern auf Verlangen Stillpausen zu gewähren sind. In den ersten zwölf Monaten nach der Geburt: zweimal täglich mindestens 30 Minuten oder einmal täglich eine Stunde. Diese Zeit wird voll bezahlt und darf nicht mit Pausen oder Mehrarbeit verrechnet werden.¹

Arbeitgebende sind außerdem verpflichtet, einen geeigneten Raum zum Stillen und Abpumpen bereitzustellen. Kein Badezimmer, kein Umkleideraum. Einen ruhigen, sauberen, abschließbaren Raum mit Sitzgelegenheit.

Abpumpen im Büro: praktisch umgesetzt

Wer nicht stillen kann, pumpt ab. Eine gute elektrische Pumpe spart Zeit. Ein Kühlakku in der Tasche oder ein kleiner Kühlschrank im Büro hält die Milch frisch. Abpumpen zwei- bis dreimal pro Achtstundentag reicht in der Regel aus, um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten.²

Ein frühzeitiges, sachliches Gespräch mit der direkten Führungskraft schafft Klarheit. Die meisten reagieren unterstützend, wenn sie wissen, was konkret gebraucht wird.

Was Unternehmen investieren sollten

Ein Stillraum ist keine Kür. Er ist eine rechtliche Verpflichtung und gleichzeitig ein Signal: Wir sehen dich, wir unterstützen dich. Unternehmen, die diesen Raum aktiv anbieten und kommunizieren, stärken die Bindung und reduzieren den Druck beim Wiedereinstieg.

Ergänzend helfen flexible Pausen ohne bürokratische Hürden, ein verständnisvolles Team und Führungskräfte, die das Thema enttabuisieren. Stillen ist normal. Es sollte auch im Büro normal sein.

Warum es sich lohnt

Muttermilch ist optimal an den Bedarf des Kindes angepasst und stärkt das Immunsystem nachweislich.³ Für die Mutter senkt Stillen langfristig das Risiko für Brustkrebs, Eierstockkrebs und Typ-2-Diabetes.⁴ Das ist kein Argument für Druck, aber ein guter Grund, Frauen zu unterstützen, die stillen wollen, so lange sie es wollen.

Der Wiedereinstieg ist ein Übergang, kein Schalter. Mütter, die in dieser Phase die richtige Unterstützung bekommen, kommen nicht nur zurück. Sie bleiben.


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Quellen

¹ Mutterschutzgesetz (MuSchG), §7 Abs. 2. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/

² Meier PP et al. Breastfeeding support in the workplace. J Perinat Neonatal Nurs. 2010;24(4):300–311. https://doi.org/10.1097/JPN.0b013e3181f70ab7

³ Victora CG et al. Breastfeeding in the 21st century. Lancet. 2016;387(10017):475–490. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(15)01024-7

⁴ Chowdhury R et al. Breastfeeding and maternal health outcomes. Acta Paediatr. 2015;104(S467):96–113. https://doi.org/10.1111/apa.13102

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens.

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