Emotionale Hochs und Tiefs in den Wechseljahren?

Emotionale Hochs und Tiefs in den Wechseljahren?

Warum deine Psyche jetzt sensibler reagiert – und was dir wirklich hilft

„Was ist nur los mit mir?“
Viele Frauen stellen sich diese Frage irgendwann in den Wechseljahren. Gefühle schwanken, die Haut ist dünner – emotional wie körperlich. Du erkennst dich selbst nicht immer wieder. Und das kann verunsichern.

Wichtig vorab:
Diese Veränderungen sind real. Sie sind häufig. Und sie sind erklärbar.

Die Wechseljahre sind nicht nur ein hormoneller, sondern auch ein neurobiologischer und psychosozialer Übergang. Körper und Psyche sind dabei untrennbar miteinander verbunden.


Welche psychischen Symptome können auftreten?

Während der Wechseljahre berichten viele Frauen über Veränderungen wie:

  • Stimmungsschwankungen – Traurigkeit, Reizbarkeit oder Wut ohne klaren Auslöser
  • Innere Unruhe – Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme
  • Niedergeschlagenheit – Antriebslosigkeit, Verlust von Freude
  • Ängste – neue oder verstärkte Sorgen, geringeres Selbstvertrauen

Diese Symptome sind keine Charakterschwäche. Sie sind Ausdruck veränderter neuroendokriner Prozesse.


Warum beeinflussen die Wechseljahre die Psyche so stark?

1. Östrogen: mehr als ein „Frauenhormon“

Östrogen wirkt direkt im Gehirn. Es beeinflusst unter anderem Serotonin und Dopamin – Botenstoffe, die für Stimmung, Motivation und emotionale Stabilität wichtig sind. Sinkt oder schwankt der Östrogenspiegel, kann genau dieses Gleichgewicht kippen¹.

2. Progesteron: das Hormon der inneren Ruhe

Progesteron hat eine beruhigende, angstlösende Wirkung. In der Perimenopause fällt es oft früh ab – lange bevor die letzte Blutung einsetzt. Die Folge können Schlafprobleme, Reizbarkeit und eine niedrigere Stresstoleranz sein².

3. Lebensphase & Kontext

Gleichzeitig verändert sich oft das äußere Leben:
Kinder werden selbstständig, Eltern brauchen Unterstützung, berufliche Rollen verschieben sich. Diese Faktoren verstärken die emotionale Belastung – ohne die Ursache zu sein.


Was deiner mentalen Gesundheit jetzt hilft

🌙 Schlaf & Regeneration

  • 7–8 Stunden Schlaf, möglichst regelmäßig
  • Dunkle, ruhige Schlafumgebung
  • Bildschirme mindestens 60 Minuten vor dem Schlafen meiden

Schlafmangel verstärkt Stimmungsschwankungen messbar³.


🧘‍♀️ Entspannung & Nervensystem

  • Atemübungen, Yoga oder Meditation
  • Journaling oder kreativer Ausdruck
    Diese Methoden senken Stresshormone und regulieren das autonome Nervensystem.

🚶‍♀️ Bewegung & Tageslicht

  • Regelmäßige Bewegung (z. B. Gehen, Tanzen, Wandern)
  • Sonnenlicht zur Unterstützung der Vitamin-D-Synthese

Bewegung wirkt antidepressiv – auch unabhängig von Gewichtsveränderungen⁴.


🥗 Ernährung & Mikronährstoffe

Wichtige Bausteine für die Psyche sind u. a.:

  • L-Tryptophan (Vorstufe von Serotonin)
  • Vitamin B6, B12, Folsäure
  • Magnesium
  • Omega-3-Fettsäuren

Diese finden sich z. B. in Haferflocken, Nüssen, grünem Gemüse, Hülsenfrüchten und fettem Fisch. Ergänzungen sollten individuell und idealerweise nach Blutwerten erfolgen.


Was bei stärkeren Beschwerden helfen kann

🩺 Hormontherapie

Eine individuell abgestimmte Hormontherapie kann nicht nur körperliche Symptome lindern, sondern auch Stimmung und Schlaf stabilisieren⁵.

💬 Psychotherapie

Besonders gut untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie (CBT). Sie kann menopausale Symptome, depressive Verstimmungen und Ängste signifikant reduzieren⁶.

💊 Antidepressiva

Bei ausgeprägten depressiven Episoden können SSRIs oder SNRIs sinnvoll sein. Einige wirken zusätzlich gegen Hitzewallungen. Die Entscheidung sollte immer ärztlich begleitet erfolgen¹.


Fazit: Du bist nicht „zu sensibel“ – dein System stellt sich neu ein

Emotionale Schwankungen in den Wechseljahren sind kein persönliches Versagen. Sie sind Teil eines tiefgreifenden biologischen und psychosozialen Wandels.

Mit Wissen, Unterstützung und den richtigen Strategien kannst du wieder Stabilität finden.
Und vor allem: Du musst damit nicht allein bleiben.

💡
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Wissenschaftliche Quellen

  1. Maki PM et al. Guidelines for the evaluation and treatment of perimenopausal depression. Journal of Women’s Health, 2019.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30661499/
  2. Bryant C, Judd FK, Hickey M. Anxiety during the menopausal transition. Journal of Affective Disorders, 2012.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22516576/
  3. Worsley R et al. Vasomotor symptoms and depression during perimenopause. Maturitas, 2012.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22980502/
  4. Perez FR et al. Exercise and depressive symptoms in midlife women. Maturitas, 2017.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28624200/
  5. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Menopause: diagnosis and management. Updated 2022.
    https://www.nice.org.uk/guidance/ng23
  6. Khoshbooii R et al. Effectiveness of group cognitive behavioural therapy around menopause. Australian Journal of Basic and Applied Sciences, 2011.

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