Wenn Hitze im Kopf entsteht – und Hormone nicht die einzige Antwort sind

Wenn Hitze im Kopf entsteht – und Hormone nicht die einzige Antwort sind

NK3-Rezeptor-Antagonisten bei Hitzewallungen

Link: https://www.hermaid.me/blog/de/women/articles/ostrogen-allein-reicht-nicht-immer

Hitzewallungen fühlen sich oft an, als würde der Körper plötzlich gegen sich selbst arbeiten.
Ohne Vorwarnung steigt die Hitze auf, der Puls beschleunigt sich, Schweiß bricht aus – tagsüber, nachts, mitten im Gespräch oder im Schlaf.

Viele Frauen denken bei der Behandlung sofort an Hormone.
Doch nicht jede möchte oder kann eine Hormontherapie nutzen.

Genau hier beginnt eine neue Entwicklung in der Medizin der Wechseljahre:
NK3-Rezeptor-Antagonisten – eine hormonfreie Therapieoption, die direkt im Gehirn ansetzt.


Was im Körper passiert – nicht „Einbildung“, sondern Neurobiologie

Die Steuerung unserer Körpertemperatur sitzt im Hypothalamus.
Dort arbeiten Nervenzellen, Hormone und Botenstoffe eng zusammen.

In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel.
Das hat Folgen – nicht nur für Knochen, Haut oder Schleimhäute, sondern auch für das Gehirn.

Bestimmte Nervenzellen, die sogenannten KNDy-Neuronen, geraten aus dem Gleichgewicht.
Sie senden zu häufig und zu stark Signale aus, die dem Körper fälschlich „Überhitzung“ melden.

Die Folge:
Der Körper reagiert mit dem, was er gelernt hat, um sich abzukühlen –
Hitzewallung, Schweiß, Herzklopfen.


Was ist der NK3-Rezeptor?

Der Neurokinin-3-Rezeptor (NK3R) ist ein Andockpunkt für den Botenstoff Neurokinin B.
Er spielt eine zentrale Rolle bei der Kommunikation der KNDy-Neuronen.

Wenn dieser Rezeptor überaktiv ist, gerät die Temperaturregulation aus dem Takt.


Wie NK3-Rezeptor-Antagonisten wirken

NK3-Rezeptor-Antagonisten blockieren gezielt diese überaktiven Signale im Gehirn.

Sie:

  • greifen nicht in den Hormonhaushalt ein
  • ersetzen kein Östrogen
  • wirken direkt auf die neuronale Ursache der Hitzewallungen

Das Ziel ist nicht, den Körper „umzuprogrammieren“,
sondern ihm zu helfen, wieder stabil zu regulieren.

Viele Frauen berichten über:

  • deutlich weniger Hitzewallungen
  • geringere Intensität
  • besseren Schlaf
  • schnelleren Wirkeintritt (oft innerhalb weniger Tage)

Bekannte Wirkstoffe

  • Fezolinetant
    – seit 2023 in den USA (FDA) zugelassen
    – seit 2024 auch in Europa (EMA)
  • Weitere Wirkstoffe in Entwicklung:
    MLE4901, Pavinetant, NT-814

Fezolinetant ist aktuell der klinisch relevanteste Vertreter dieser neuen Wirkstoffklasse.


Vorteile – und was man wissen sollte

Was spricht für NK3-Rezeptor-Antagonisten?

  • hormonfrei
  • keine Östrogen- oder Gestagenzufuhr
  • schnelle Wirkung
  • gezielte Behandlung vasomotorischer Symptome

Mögliche Nebenwirkungen

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • in seltenen Fällen Veränderungen der Leberwerte

Deshalb gilt auch hier:
ärztliche Begleitung, Kontrolle, individuelle Abwägung.


Für wen kann diese Therapie sinnvoll sein?

NK3-Rezeptor-Antagonisten können besonders interessant sein für Frauen,

  • die keine Hormone einnehmen möchten
  • bei denen eine Hormontherapie medizinisch nicht empfohlen ist
  • die vor allem unter Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen leiden

Sie ersetzen keine ganzheitliche Betrachtung der Wechseljahre –
können aber ein wichtiges Puzzleteil sein.


Fazit

Hitzewallungen entstehen nicht „im Kopf“ –
sie entstehen im Gehirn.

NK3-Rezeptor-Antagonisten zeigen, wie präzise moderne Medizin inzwischen arbeiten kann:
gezielt, hormonfrei, symptombezogen.

Sie sind kein Allheilmittel.
Aber sie erweitern den Handlungsspielraum –
und geben vielen Frauen eine neue Option zurück.

Informierte Entscheidungen beginnen mit Wissen.
Und mit dem Gefühl, nicht zwischen „alles oder nichts“ wählen zu müssen.

💡
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