
Frauenherzen schlagen anders: Herzgesundheit in der Perimenopause
Während der Perimenopause steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies liegt am sinkenden Östrogenspiegel, der sich negativ auf Cholesterinwerte und Blutgefäße auswirken kann.1 Doch warum ist das so? Sind die Wechseljahre nicht einfach eine natürliche Phase? Und was können Frauen tun, um ihr Herz zu schützen?
Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen im Alter. Man sollte meinen, dieses Gebiet wäre umfassend erforscht, doch die geschlechtsspezifischen Unterschiede werden erst seit Kurzem intensiver untersucht. Die Kampagne "Frauenherzen schlagen anders" macht auf dieses Forschungsdefizit aufmerksam.
Gerade Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden sollten diese ernst nehmen. Studien zeigen, dass diese Symptome mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind. Ein gesunder Lebensstil zahlt sich also doppelt aus!
Der Einfluss der Hormone
Östrogen schützt Blutgefäße und Fettstoffwechsel. Sinkt der Östrogenspiegel, kann dies folgende Auswirkungen haben:
- Veränderungen der Blutgefäße:
- Die Gefäße werden steifer, was den Blutdruck erhöhen kann.
- Das Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) steigt.
- Erhöhte Cholesterinwerte:
- Das Verhältnis von "gutem" HDL-Cholesterin zu "schlechtem" LDL-Cholesterin verschiebt sich.
- Veränderungen im Zuckerstoffwechsel:
- Die Insulinempfindlichkeit kann sinken, was das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht.
- Höheres Risiko für Bluthochdruck:
- Der Blutdruck steigt bei vielen Frauen an.
- Veränderungen der Herzfrequenz:
- Herzklopfen oder Herzrasen können auftreten.
Frauenherzen schlagen anders
Es besteht dringender Bedarf an mehr Aufklärung und geschlechtsspezifischer Forschung, auch in der medizinischen Ausbildung. Diese Unterschiede werden in der Medizin noch zu wenig beachtet, was zu Fehldiagnosen führen kann.
- Sie sind kleiner und schlagen schneller.
- Die Herzkranzgefäße sind feiner.
- Frauenherzen werden im Alter steifer, Männerherzen eher größer.
- Die Symptome bei Herzerkrankungen sind unterschiedlich.
Symptome erkennen und ernst nehmen
Häufige Symptome bei Frazen sind:
- Herzklopfen
- Herzrasen
- Herzstolpern
- Bluthochdruck
- Schwindel
- Übelkeit
- Panikattacken
- Herzbeklemmungen
Nehmen Sie diese Symptome ernst und suchen Sie bei anhaltenden oder starken Beschwerden einen Arzt auf.
Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherzen
Männer spüren bei einem Herzinfarkt oft einen klassischen Herzschmerz. Frauen hingegen erleben häufiger Symptome wie:2
- Herzklopfen, - rasen, -stolpern
- Herzbeklemmungen, Nervosität, Panikattacken
- Unterleibsschmerzen
- Brustschmerzen
- Halsweh
- Übelkeit
- Schwinde
- Anhaltende Müdigkeit
- Kurzatmigkeit
- Bluthochdruck
Erschwerend kommt hinzu, dass Frauen bei diesen Symptien länger als Männer warten, bis sie einen Notarzt rufen (in Deutschland sind das durchschnittlich 2 Stunden) und dass der Herzinfarkt bei (jüngeren) Frauen nach wie vor schlechter und später erkannt wird.
Herzbeschwerden, wie Herzrasen, Herzbeklemmungen und Herzklopfen sind eigentlich nur von kurzer Dauer und verschwinden so plötzlich, wie sie auch gekommen sind. Wenn die Herzbeschwerden ungewohnt lange anhalten oder sehr, sehr häufig auftreten, ist ein Arztbesuch ratsam.
Weitere mögliche Ursachen abklären
Es ist wichtig, auch andere mögliche Ursachen für die Beschwerden in Betracht zu ziehen. Denn Symptome wie Müdigkeit oder Herzklopfen können nicht nur auf Herzprobleme hindeuten, sondern auch durch andere Faktoren ausgelöst werden, zum Beispiel:
- Schilddrüsenfunktionsstörungen: Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann ähnliche Symptome wie Herzbeschwerden hervorrufen.
- Angstzustände: Psychische Belastungen und Angstzustände können sich ebenfalls in körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Herzrasen oder Atemnot äußern.
- Anämie (Blutarmut): Ein Mangel an roten Blutkörperchen kann zu Müdigkeit, Schwäche und Kurzatmigkeit führen.
Spezielle Sprechstunden für Frauen
Genau deshalb ist es für Allgemeinmediziner oft so schwierig, die Symptome bei Frauen richtig zu deuten. Die vielfältigen und oft unspezifischen Anzeichen, die Frauen bei Herzerkrankungen zeigen, können leicht mit anderen gesundheitlichen Problemen oder psychischen Belastungen verwechselt werden.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, gibt es in einigen Städten spezialisierte Herzzentren mit eigenen Frauensprechstunden. Diese Zentren bieten eine gezielte Diagnostik und Therapie, die auf die Besonderheiten des weiblichen Herz-Kreislauf-Systems abgestimmt ist. Hier arbeiten Experten, die sich intensiv mit den geschlechtsspezifischen Unterschieden beschäftigen und so eine optimale Versorgung gewährleisten können.
Warum Stressreduktion so entscheid ist: Wenn der Herzschmerz wirklich vom Herzen kommt
Das "Broken-Heart-Syndrom", auch bekannt als Takotsubo-Kardiomyopathie, ist eine Herzerkrankung, die tatsächlich durch emotionalen Stress ausgelöst werden kann. Typischerweise tritt sie nach einem traumatischen Ereignis wie dem Verlust eines geliebten Menschen, einer Trennung, einer schweren Krankheit oder auch nach extremer Freude auf.
Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts:
- Plötzliche starke Schmerzen in der Brust
- Atemnot
- Herzrasen
Im Gegensatz zum Herzinfarkt sind beim Broken-Heart-Syndrom jedoch die Herzkranzgefäße nicht verengt oder verschlossen. Stattdessen kommt es zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Herzmuskels, insbesondere der linken Herzkammer, die sich ballonartig ausstülpt.
Proaktiv handeln: Prävention ist der Schlüssel
Statt passiv zu bleiben, sollten Frauen ihre Herzgesundheit aktiv schützen. Eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Gesundheitschecks sind entscheidend, um Risikofaktoren wie hohem Cholesterin, Diabetes oder Bluthochdruck entgegenzuwirken und Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen.
Gesunder Lebensstil:
- Regelmäßige Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
- Herzgesunde Ernährung: Viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette.
- Ausreichend Schlaf: 7-9 Stunden pro Nacht.
- Stressreduktion: Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
- Verzicht auf Rauchen und moderater Alkoholkonsum.
- Kalium- und magnesiumreiche Lebensmittel: Bananen, Kartoffeln, Nüsse, dunkle Schokolade.
Regelmäßige Gesundheitschecks: Früherkennung ist entscheidend
- Bluttests: Überprüfung von Cholesterin und Blutzucker.
- EKG: Überwachung des Herzrhythmus.
- Bildgebende Verfahren: z.B. Koronarkalk-Score zur Beurteilung der Arterien.
- Blutdruckmessungen: Regelmäßige Kontrolle.
Wann spricht man von Bluthochdruck?
Zur Messung gelten die folgenden Richtwerte:
- 120/80: optimaler Blutdruck
- 130/90: normaler Blutdruck
- 140/90: hoch-normaler Blutdruck
- 160/100: milder Bluthochdruck
- 180/110: mäßiger Bluthochdruck
- 180/110: schwerer Bluthochdruck
Medizinische Unterstützung
In manchen Fällen kann eine Hormontherapie oder die Einnahme von Medikamenten zur Cholesterinsenkung oder Blutdruckregulierung sinnvoll sein.3 Spreche dies bei deinem Arzt oder deiner Ärztin an.
Die Rolle von Fitnesstracker
Fitness-Tracker, Smartwatches und KI-gestützte Programme können helfen, die Herzgesundheit im Blick zu behalten. Da du hier langzeit veränderungen dokumentieren kannst.
Fazit
Die Wechseljahre sind eine Zeit des Wandels, die auch die Herzgesundheit beeinflussen kann. Es geht darum, proaktiv zu handeln, die Veränderungen im Körper zu verstehen und moderne Möglichkeiten zu nutzen. So können Sie Ihr Herz schützen und ein gesundes, lebendiges Leben in den Wechseljahren und darüber hinaus genießen.
Besuche unsere App unter erfahre mehr: https:/app.hermaid.me/
Quellen
1) Huynh E, et al. The effects of aerobic exercise on cardiometabolic health in postmenopausal females: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Womens Health (Lond). 2024 Jan-Dec;20:1745505724129088
2) Muka T, et al. Association of Vasomotor and Other Menopausal Symptoms with Risk of Cardiovascular Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. PLoS One. 2016 Jun 17;11(6):e0157417.
3) Gu Y et al. The benefits and risks of menopause hormone therapy for the cardiovascular system in postmenopausal women: a systematic review and meta-analysis. BMC Womens Health. 2024 Jan 23;24(1):60.