
Wenn jede Frau in den Wechseljahre kommt, warum gibt es dazu bisher so wenig Forschung?
Der Weg zur Diagnose "Klimakterium" ist für viele Frauen eine wahre Odyssee. Im Durchschnitt dauert es 2-3 Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Viele Frauen erfahren erst kurz vor oder nach der Menopause, dass sie sich in dieser Lebensphase befinden. Die Folge: Sie können die vielfältigen Symptome – emotional, psychisch und somatisch – nicht einordnen und fühlen sich allein gelassen mit ihren Beschwerden. Es heisst viele Frauen Ende der 40 erhalten unnötig Antidepressiva, anstatt einer HRT. Diese lange Diagnosezeit trägt maßgeblich zur Verunsicherung der Frauen bei und unterstreicht die Notwendigkeit einer besseren medizinischen Versorgung und Aufklärung in den Wechseljahren.
Die Wechseljahre sind eine zentrale Phase im Leben einer Frau, doch sie werden in der medizinischen Forschung und Versorgung immer noch stark vernachlässigt. Millionen Frauen leiden. Was ist der Kern des Problems?
Es dauert durchschnittlich 2-3 Jahre bis eine Frau die Diagnose "Klimaterium" erhält. Viele erfahren es erst kurz vor oder nach der Menopause und können die emotionalen, psychischen und/oder somatischen Symptome nicht einordnen.
Medical Gaslighting, das Phänomen, bei dem Patientinnen mit ihren Symptomen nicht ernst genommen werden, ist in den Wechseljahren Realität. Viele Frauen erfahren erst kurz vor oder nach der Menopause, dass sie sich in den Wechseljahren befinden und können die emotionalen, psychischen und/oder somatischen Symptome nicht einordnen. Dies spiegelt sich auch in den Statistiken wider: Nur 44 % der Frauen, die unter Symptomen leiden, sprechen mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber – oft aus Angst, nicht ernst genommen zu werden. Die mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber den Wechseljahren hat tiefgreifende Konsequenzen. Frauen fühlen sich allein gelassen und zweifeln an der Legitimität ihrer Beschwerden. Wenn Ärztinnen und Ärzte Symptome wie Hitzewallungen oder Gelenkschmerzen abtun, fühlen sich Patientinnen oft zurückgewiesen. Diese Haltung trägt dazu bei, dass die Wechseljahre weiterhin ein tabuisiertes Thema bleibt.
System-Failure: Der Ökomische Anreiz fehlt
Viele Ärztinnen und Ärzte fühlen sich zudem unsicher im Umgang mit den Wechseljahren, da die entsprechende Ausbildung bzw. Weiterbildung fehlt. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Wechseljahre nicht umfangreich abrechenbar sind. Und leider müssen Praxen ökonomisch handeln.
HRT ist ein komplexes Feldt, niemand möchte die Verantwortung bei einer falschen Therapieentscheidung tragen, stattdessen berät man lieber gar nicht.
Die Wechseljahre und die Therapiemöglichkeiten sind unglaublich komplex. Insbesondere in der HRT gibt es ständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Wechselwirkungen, neue Präparate und Empfehlungen. Ein weiterer Aspekt ist, dass veraltete, negative Schlagzeilen über die Risiken von HRT hartnäckig bleiben, obwohl diese längst relativiert wurden.
Die Unsicherheit stammt aus der sogenannten WHI-Studie (Women’s Health Initiative), deren Ergebnisse 2002 weltweit für Aufsehen sorgten. Damals wurde die HRT als gesundheitliches Risiko eingestuft. Spätere Studien relativierten diese Einschätzungen erheblich, doch viele Medizinerinnen und Mediziner halten an den ursprünglichen Ergebnissen fest. Das Resultat: Frauen, die von HRT profitieren könnten, bleiben unbehandelt, während ihre Beschwerden ihr tägliches Leben beeinträchtigen.
Die HRT ist eine bewährte Methode, um Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und vaginale Trockenheit zu lindern. Sie kann zudem das Risiko für Osteoporose und Harnwegsinfektionen senken. Dennoch wird Frauen diese Therapie oft vorenthalten. Mehr Forschung und Aufklärung sind dringend nötig
Risiken und Nebenwirkungen, der Beipackzettel:
Ein interessanter Punkt ist die undifferenzierte Darstellung von Wirkstoffen und Nebenwirkungen in Beipackzetteln. Oft werden diese allgemein benannt, ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Darreichungsformen und Anwendungsarten.
Ein Beispiel: Für Frauen mit Brustkrebs kann die Anwendung einer vaginalen, transdermalen Estradiolcreme durchaus vertretbar sein.
Der Beipackzettel liefert jedoch häufig keine spezifischen Informationen zu dieser Anwendungsart und listet generell alle möglichen Nebenwirkungen auf, auch diejenigen, die nur bei oraler oder systemischer Anwendung relevant sind. Dies führt zu Verunsicherung und kann dazu führen, dass Patientinnen auf eine wirksame Therapie verzichten, obwohl diese für sie geeignet wäre.
Ein Umdenken in der Medizin ist überfällig
Ärztinnen und Ärzte müssen besser geschult werden, um Frauen in der Perimenopause und den Wechseljahren ganzheitlich zu unterstützen. Nur so können Vorurteile abgebaut, Mythen entlarvt und fundierte Behandlungsansätze entwickelt werden.
Die derzeitige Situation zeigt einen dringenden Bedarf an qualitativ hochwertiger Forschung über die Wechseljahre (Peri- und Postmenopause) und deren Behandlung. Es fehlt nicht nur an Daten, sondern auch an einer breiten gesellschaftlichen Diskussion über die Bedeutung dieser Lebensphase. Die Wechseljahre sind mehr als nur ein Ende der Fruchtbarkeit – sie beeinflussen die körperliche und mentale Gesundheit sowie die Lebensqualität erheblich.
Fazit
Die medizinische Versorgung von Frauen in den Wechseljahren muss sich grundlegend ändern! Es braucht es mehr Forschung, bessere Ausbildung und eine größere gesellschaftliche Akzeptanz für die damit verbundenen Themen. Frauen verdienen es, gehört und unterstützt zu werden – und nicht allein mit ihren Beschwerden zu bleiben. Denn nur durch Wissen und Aufklärung können die Wechseljahre von einem Tabuthema zu einem offen diskutierten, gut unterstützten Lebensabschnitt werden.
Besuche unsere App unter erfahre mehr: https:/app.hermaid.me/